Die Verwaltung der Sicherheit. Das Ministerium des Innern der DDR

Dr. Franziska Kuschel

Dem Innenministerium der DDR kam im Zuge der Diktaturdurchsetzung und Machtsicherung eine zentrale Rolle zu. Es war für die Gewährleistung von öffentlicher Ordnung und innerer Sicherheit zuständig. Dabei verfügte es einerseits mit seinen „bewaffneten Organen“ über Mittel zur Repression abweichenden Verhaltens. Andererseits setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Ostdeutschland ein Verständnis von Sicherheit durch, das weiter gefasst war und ein positives Versprechen von Sicherheit beinhaltete. Gefragt werden soll, inwieweit diese erweiterten Vorstellungen von Sicherheit und einem vorbeu­gend handelnden Staat einen Wandel vom Abwehr- zum Präventionsparadigma vorwegge­nommen haben, wie er auch in liberalen Rechtsstaaten seit den 1970er Jahren zu beobachten ist und etwa mit dem Konzept der „human security“ in der Forschung diskutiert wurde. Dabei hat die Sicherheitsgeschichte zwar bereits einen Brückenschlag zwischen vormodernen und gegen­wärtigen Sicherheitskonzepten zu leisten versucht, der gleichwohl vor allem auf die westeu­ropäischen Demokratien begrenzt blieb.

Anhand ausgewählter Fallstudien zur Verkehrs- und Verwaltungspolizei sowie dem Betriebsschutz, die zunächst scheinbar unpoliti­sche Handlungsfelder des DDR-Innenministeriums in den Blick nehmen, soll nach den Traditionen des (ost)deutschen Sicherheitsdenkens gefragt werden, die bis in die Frühe Neuzeit zurückrei­chen. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen der Zeitgenossen mit dem National­sozialismus wird zugleich und im Besonderen die Frage nach den Kontinuitäten und Brüchen zur Zeit vor 1945 untersucht.