Kommunalpolitik und wissenschaftliche Dienste: Das Ost-Berliner Innenministerium

Lutz Maeke

Kommunalpolitik

Das MdI fungierte in den 1950er Jahren als „Kommunalministerium“ der DDR. Konkret war es Aufgabe des Innenressorts des SED-Staates eine einheitliche innere Verwaltung aufzubauen und die Arbeit der dezentralen „Staatsorgane“ zu kontrollieren. Im Rahmen des Teilprojektes sollen die Praxis und die Bilanz jener kommunalpolitischen Arbeit untersucht werden. Wie prägte das MdI die sozialistische Kommunalpolitik in der Frühphase der DDR-Geschichte? Welche Impulse gingen vom Ost-Berliner Innenministerium aus, um den planmäßigen und umfassenden Durchgriff zentraler Instanzen bis in die Dörfer sicherzustellen? Welche Ursachen führten 1959/60 zum Entschluss der SED, dem MdI seine kommunalpolitischen Kompetenzen endgültig zu entziehen?

Wissenschaftliche Dienste

Darüber hinaus wird die Arbeit der Archivverwaltung und des Meteorologischen und Hydrologischen Dienstes eingehend betrachtet. Insbesondere in diesen wissenschaftlichen Abteilungen des Ost-Berliner Innenministeriums – so zeigen es die bisherigen Ergebnisse – sind markante personelle Kontinuitäten von Fachkräften aus der Zeit vor 1945 auszumachen. Die in den Quellen dokumentierte angeblich unpolitische Gesinnung jener Experten ist ein wichtiges, weitergehend zu analysierendes Konstrukt, das sowohl die Bereitschaft, erneut einem diktatorischen Regime zu dienen, als auch eine persönliche Bereinigung der vorangegangenen Karriere im Nationalsozialismus begünstigte.

Photo von Carl Steinhoff, Minister des Innern der DDR

Carl Steinhoff (Quelle: SLUB Dresden/Deutsche Fotothek, Abraham Pisarek)

Revolutionär von Beruf? Zur Biographie des ersten DDR-Innenministers Carl Steinhoff

Promovierter Jurist, preußischer Spitzenbeamter, Sozialdemokrat: Ohne über eine einschlägige kommunistische Biographie zu verfügen, avancierte Carl Steinhoff nach 1945 zum Präsidenten der brandenburgischen Provinzialverwaltung sowie zum Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg. 1949 wurde er schließlich zum ersten Minister des Innern der DDR ernannt – eine Karriere, die 1952 jäh endete. Das biographische Porträt dieses Mannes soll im Rahmen des Projektes ebenfalls systematisch und quellenfundiert in den Blick genommen werden.