Sicherheit als Versprechen. Verkehrsregulierung und Unfallprävention in der DDR

Dr. Franziska Kuschel

Dem Innenministerium der DDR kam im Zuge der Diktaturdurchsetzung und Machtsicherung eine zentrale Rolle zu. Es war für die Gewährleistung von öffentlicher Ordnung und innerer Sicherheit zuständig. Dabei verfügte es einerseits mit seinen „bewaffneten Organen“ über Mittel zur Repression abweichenden Verhaltens. Andererseits waren die Vorstellungen von Sicherheit weit umfassender und enthielten auch eine „positive“ Seite: das Versprechen von Sicherheit auf den Straßen. Gefragt wird, inwieweit diese erweiterten Vorstellungen von Sicherheit und einem vorbeu­gend handelnden Staat einen Wandel vom Abwehr- zum Präventionsparadigma vorwegge­nommen haben, wie er auch in liberalen Rechtsstaaten seit den 1970er Jahren zu beobachten ist und etwa mit dem Konzept der „human security“ in der Forschung diskutiert wurde. Zugleich untersucht die Studie, wie sich im Verkehrswesen eine Steuerungsutopie entwickelte, die sich auch im Alltag der Bürgerinnen und Bürger bemerkbar machte. Ein Fokus liegt daher auf dem breiten Spektrum präventiver Maßnahmen, die von der Verkehrserziehung in Schulen und Betrieben über die gefürchteten „Stempel“ auf der Straße bis hin zu öffentlichkeitswirksamen Kampagnen, Filmen und Fernsehsendungen wie etwa dem „Verkehrsmagazin“ reichten.